 |
Die Edition POESIS konzentriert sich auf herausragende wissenschaftliche Beiträge zur Sprachkunst.
Um 1800 traten an die Stelle der Rhetorik als Basis des literarischen Denkens spekulative Lehren vom Kunstschönen. Das Wissen darum, wie man Worte mit anderen Worten, Idiome mit anderen Idiomen, Syntagmen mit anderen Syntagmen so kombiniert, daß das Produkt einen genuin poetischen Sinn stiftet, wurde fortan als bloßes äußerliches Handwerk abgetan, und es verschwand mit der humanistischen Schulbildung fast gänzlich aus dem Bewußtsein. Die Wende der Germanistik hin zur »kritischen Literaturwissenschaft« in den 1970er Jahren sowie die nachfolgenden Paradigmen der Dekonstruktion und der Kulturwissenschaft machten das Vergessen vollständig. Heute gibt es zwar zahllose Schreibschulen für den schriftstellerischen Nachwuchs, es wird aber so gut wie nie genau beschrieben, was ein Dichter mit seinem Material, der Sprache, tut, wenn er dichtet. Abhandlungen, die begründen, was den Kunstwert eines sprachlichen Kunstwerks eigentlich ausmacht, sind ein beklagenswertes Desiderat.
Mit der Edition POESIS soll diese Lücke geschlossen werden. Sie zu schließen tut not, denn der Nachvollzug des »Machens«, der Poesis, ist in der Dichtkunst ebenso wie in der Musik und der Malerei der Weg, um Raffinement, Individualität und Schönheit eines Kunstwerks zu erfahren.
Die Edition wird herausgegeben von Gunther Nickel (Bio).
Nr. 1 - Sebastian Kiefer, Über allen Gipfeln. Magie, Material und Gefühl in Goethes Gedicht »Ein gleiches« (2011); Nr. 2 - Sebastian Kiefer, Das unsichtbare Genie. Populismus, Herzenseinfalt und Artistik in der Verskunst Joseph von Eichendorffs (2012);
|
 |
 |
* Andreas Kremla, »Über allen Gipfeln ist Ruh', in allen Wipfeln ...«; in: Falter v. 15.2.2012:
»Die bislang sehr überschaubare Welt der großen Gedichtinterpretation soll weiter werden. Der hier vorliegende Band eröffnet die neue Reihe POESIS im Verlag André Thiele. Weitere Werke mit dem Ziel 'Raffinement, Individualität und Schönheit eines Kunstwerks zu erfahren', werden folgen. Mögen sie alle die Originalität dieser initialen Interpretation erreichen!«
|
 |